Ihr Lieben! Merci vielmals für den Zuspruch!
EVs Idee mit den Klammern hat mir als altem Parenthetiker ganz besonders gut gefallen - ich lieeebe Klammern in Gedichten! Ich finde, sie wirken wie ein Signal ans Hirn des Lesers: Hallo, bitte einschalten! Hier würde ich sie nur deshalb weglassen (sie passen wirklich wunderbar), weil sie in der Vorlage nicht vorgesehen sind.
Und eKy hat einen Schnitzer (in diesem Fall ist es wirklich ein Schnitzer!) entdeckt, der mir beim Runterschreiben entgangen ist... bei einer strengen Form solle man auch Formbewusstsein obwalten lassen oder wirklich sehr gute Gründe für einen Formverstoß in petto haben. Also der 6-Heber muss natürlich weg.

Danke, lieber eKy!
Übrigens bin ich mir ziemlich sicher, eKy, dass gum seine Anmerkung (ewig vs. lebenslang) vor allem philosophisch gemeint, weniger so, dass das eine Wort das andere einfach ersetzen soll.

Und jetzt noch zur Vorlage... hier verrät tatsächlich die Form den ursprünglichen Autor: Ein vierzehnzeiliges Gedicht (Sonett-Alarm!!!), aber nicht mit zwei Vierzeilern (Quartetten) und zwei Dreizeilern (Terzetten) sondern mit drei Quartetten gefolgt von einem Zweizeiler (Couplet)… das ist das elisbethanische Sonett, das zwar seine formal klassischste Form bei Edmund Spenser (1552-1599) fand, dessen herausragendster Vertreter aber natürlich dieser Typ aus Stratford ist.
Ich habe mich hier also an Sonett 22 von Mr. Shakespeare vergriffen:
My glass shall not persuade me I am old,
So long as youth and thou are of one date;
But when in thee time’s furrows I behold,
Then look I death my days should expiate.
For all that beauty that doth cover thee
Is but the seemly raiment of my heart,
Which in thy breast doth live, as thine in me:
How can I then be elder than thou art?
O, therefore, love, be of thyself so wary
As I, not for myself, but for thee will,
Bearing thy heart, which I will keep so chary
As tender nurse her babe from faring ill.
Presume not on thy heart when mine is slain;
Thou gav’st me thine, not to give back again.