Autor Thema: Umbruch  (Gelesen 1905 mal)

Mandeltraum

Umbruch
« am: November 06, 2013, 21:41:47 »
Mir ist, als fließe Gold
durchs Blattwerk sanft
im Sonnenschein.
Bunt glüht der Wald
im Herbst.
Doch zarte Frische
legt sich mir auf die Stirn.

Der Tau benetzt die Frucht,
den Erntesegen.

Es ist, als wollt des Himmels Glanz sich legen
auf alles bald schon starrende Geäst.

Noch einmal, bis ein Sturm von West
des Sommers Fülle letzten Rest
und aller Farbe letzen Glanz,
und all das Blau

in Fetzen schlägt.

Daisy

Re:Umbruch
« Antwort #1 am: November 09, 2013, 13:03:27 »
Hallo Mandeltraum,

ein schönes, stimmiges Herbstbild zauberst du vor die Augen des Lesers.  :)

Die "Fetzen" im letzten Vers sind für mich allerdings gewöhnungsbedürftig und ich stocke auch nach mehrmaligem Lesen immer wieder bei V7, da gerate ich aus dem Rhythmus.
Für mich wäre als Alternative denkbar:

Doch zarte Frische
kühlt meine heiße Stirn.

Gern gelesen!

LG Daisy

Mandeltraum

Re:Umbruch
« Antwort #2 am: November 12, 2013, 22:43:57 »
Hallo Daisy,

danke für's Schönfinden, hab ich mich sehr gefreut.  :)

Über Deine Kritikpunkte werd ich selbstverständlich nachdenken.

Aber die Fetzen werden wohl bleiben, denn es ging mir im Text
gerade darum, nicht nur die romantischeren Seiten des Herbstes,
sondern auch den UMBRUCH zu reflektieren, den diese Jahres-
zeit auf immer wieder erschreckende Weise mit sich bringt.

"in Fetzen schlägt" mag gewöhnungsbedürftig sein, aber exakt (auch)
das macht der Herbst - bzw. geschieht im Herbst oder macht ihn aus!
Auch kommt diese Formulierung nicht ganz aus heiterem Himmel, sondern
wird im Text vorbereitet und angebahnt durch "ein(en) Sturm von West",
sowie "alles bald schon starrende Geäst".

LG
Mandeltraum
« Letzte Änderung: November 13, 2013, 08:54:12 von Mandeltraum »

cyparis

Re:Umbruch
« Antwort #3 am: November 18, 2013, 17:50:40 »
Lieber Mandeltraum,


das gefällt mir.
Das gefällt mir sogar gut.
 Trotz Schachtelsatz: Sehr originell, nicht alltäglich, einprägsam.
Die unterschiedliche Verslänge bringt eine ganz besondere Art von Lebendigkeit in den Text, fast elektrisierend, wäre da nicht auch viel Sanftheit und Zärte.

Die ungewöhnlich verteilten Reime tun ein Übriges, das Gedicht aus dem Rahmen fallen zu lassen.

Herzlichen Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Mandeltraum

Re:Umbruch
« Antwort #4 am: November 25, 2013, 09:52:12 »
Danke, lieber cyparis.  ;)

Es ist immer wieder sehr angenehm, auf Menschen
zu treffen, die zumindest ähnlich empfinden, wie
man selbst.


LG
Mandelträumchen