Lieber cyparis,
was ein haiku ausmacht, wird ja durchaus kontrovers diskutiert, deswegen die meine eigene Kritik an Deinen Zeilen einschränkenden Formulierungen.
Ich selbst bin ganz sicher kein Experte auf diesem Gebiet. Aus diesem Grunde ist es mir auch nur möglich, Aspekte hervorzuheben und sie innerhalb meines Horizontes
zu hinterfragen, sozusagen aus Gründen der Selbstfindung in Bezug auf haikus.
Auf meine hier geäußerte Kritik kam ich nicht zuletzt aber auch aufgrund einer von Dir selbst bei Poetry gemachten Äußerung, haikus seien für Dich "reine
Augenblick(s)-Naturbetrachtungen". Diese Äußerung schien mir in Bezug auf Deine hier geposteten Zeilen in einem gewissen Widerspruch zu stehen.
Für mich bedeutet "reine Augenblick(s)-Naturbetrachtung" im Sinne eines eher traditionellen haikus nicht einfach nur eine Momentaufnahme (eine solche könnte
an und für sich stilistisch ja mit den verschiedenen Mitteln eingefangen werden), sondern ein tendentiell größtmögliches Absehen von allen Abstraktionen
und Reflexionen kulturbedingter Art, die eine zusätzliche Bedeutungsebene beinhalten sollen oder generieren wollen. Kann sein, daß ich mit dieser Ansicht nicht ganz
richtig liege, streng durchhalten läßt sie sich eh nicht, wie man schon an den alten Japanischen Meistern erkennen kann.
Aber ich bin durchaus offen für Korrekturen und Erweiterungen, auch für Neuentwicklungen, sofern ich dieselben im Kern zu erfassen vermag.

Dein Text ist dennoch wunderbar, haiku hin oder her.
Und
Minimallyrik trifft es nicht wirklich, denn es steckt viel mehr dahinter.
Nenne die Rubrik doch einfach
Miniaturen.
Liebe Güße
vom Mandeltraum