die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: gummibaum am Mai 09, 2021, 04:33:05
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Opa schlägt nach kleinen Mücken,
die kein andrer tanzen sieht,
doch der Schwarm ist voller Tücken,
weil er sich dem Schlag entzieht.
Denn nur Schatten sind die Scharen
auf der Netzhaut lichtem Sinn,
schweben Klümpchen in dem klaren
Gel des Auges her und hin.
Lieber Opa, lass das Schlagen,
schau den Mücken lieber zu
und genieß des Alters Plagen,
so wie diese, ganz in Ruh…
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Wow, das ist große Kunst Gummibaum. Es ist lustig, es erzählt sehr bildhaft eine kleine Geschichte, es hat eine weise Konklusion und schafft es zudem noch anatomisches Wissen zu vermitteln. Und das alles in nur 12 Zeilen. Ich bin begeistert. Der Herr der Fliegen. Ich wollte, ich könnte so was auch. Gruß vom Hans
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Hi Gum!
Kann mich Hans nur anschließen: Sehr trefflich gedichtet! (Bloß an den "Herrn der Fliegen", sprich den Teufel, hatte ich nicht dabei gedacht ...) Diese "Mücken" gibt's aber nicht nur bei alten Leuten - die hatte ich immer schon; besonders gut zu bemerken, wenn ich einfach so "ins Loch" starrte ...
Peanuts:
S1Z3 - Leerstelle zuviel nach "der".
S2Z4 - Bei "Gel" denke ich eher an Rasierschaum oder Duschseife. Und rein biotechnisch gesehen ist es auch keins - bloß eben Tränenflüssigkeit: Salzwasser. Wie wäre es mit: "Nass"?
Sehr gern gelesen! :)
LG, eKy
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Danke, lieber Hans. Ich freue mich über dein Lob.
Danke, lieber Erich, dass du Hans beipflichtest. Ich meinte mit Gel den Glaskörper.
Euch beste Grüße von gummibaum
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Hans hats perfekt getroffen & auch eKys Lob kann ich mich nur anschließen! Lästig diese Spreusel im Glaskörper... aber wenn man in jungen Jahren betroffen ist, hat man wenigstens die mögliche Hoffnung, dass die Trübungen mit der Zeit nach unten sinken und so aus dem Blickfeld heraus sedimentieren. Der Opa wird wohl eher mit dem optischen Fiiegenschiss leben müssen. Hoffen wir, dass er sich adaptiert (zum Glück gelingt das den allermeisten mit der Zeit!) :)
Ein sehr schönes und feines Werk, lieber gum! Wir sind schon gesegnet, dass wir Deine wunderbaren Verse hienieden genießen dürfen! :)
LG!
S.
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Hi Suf!
Ich hatte den Eindruck, dass es nicht um Trübungen geht, sondern einfach um die winzigen, ständig in der Augenflüssigkeit schwimmenden, fast schwebenden Fremdkörperchen und Partikel.
LG, eKy
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Hi eKy!
"Mouches volantes" ist tatsächlich ein Terminus technicus, der sich auf Glaskörper-Inhomogenitäten bezieht, die sich auf die Netzhaut projizieren und dort einen Seheindruck hervorrufen.
Obwohl diese "Mücken" in (äußerst seltenen) sehr schweren Fällen durchaus einen Krankheitswert haben können, ist das Phänomen doch eigentlich etwas Normales und fast jeder Mensch davon mehr oder minder im Lauf seines Lebens betroffen - der eine früher, der andere später.
Da die "Fussel" meist recht dezent imponieren, kann unser Gehirn, wenn wir uns nicht zu sehr darauf "verkrampfen", diese Störenfriede i. d. R. "rausrechnen" und sie molestieren uns dann nach einiger Zeit kaum noch (beim ersten Auftreten ist der Betrofenne aber meist doch etwas irritiert).
Außerdem verlagern sich die Gebilde mit der Zeit im wackelpuddingartigen Galskörper und rutschen mit etwas Glück irgendwann aus der Sehachse. Dieser Prozess dauert jedoch viele Jahre und kann üblicherweise auch nicht beschleunigt werden. Man liest immer mal Tipps, durch "ruckartiges" Hin-und-Herwenden der Blickrichtung könne man die Biester aus dem Blickfeld "schütteln" - ich hab aber noch nie von jemandem gehört, bei dem das funktioniert hätte und ich glaube, dass dieser Ratschlag eher dazu führt, dass man sich auf das Problem versteift und daher durchaus kontraproduktiv ist. Also, lieber nicht versuchen, Kinder! :)
Unterschieden werden müssen die völlig harmlosen Mouches volantes vom "Rußregen" oder einem heruntersinkenden blickdichten "Vorhang" bei beginnender Netzhautablösung, einem Problem, das durchaus eine Intervention erforderlich macht.
LG!
S.
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Aha - danke für die Inkenntnissetzung! :) Dass der Titel zugleich ein medizinischer Fachterminus ist, wusste ich nicht.
Bei mir waren es - bisher - halt immer nur im Flüssigkeitsfilm der Augenoberfläche treibende, aus der Umgebungsluft abgegebene "echte" Fusselchen oder Staubpartikel. Also kein Krankheitsbild.
@ Gum: Ob "Gel" hier das richtige Wort ist? Ein Gel ist eine eher zähe, bestenfalls halbflüssige Substanz. Ist die Flüssigkeit des Glaskörpers wirklich gelartig? Würde das nicht sichtbehindernd wirken? Ich denke, es ist eine unter leichtem Druck stehende echte ("dünne" und damit klare) Flüssigkeit, und der Druck ist es, der dafür sorgt, dass das Auge in Form bleibt.
Oder liege ich da schon wieder falsch? :o ???
LG, eKy
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Halbflüssig, lieber Erich
durch etwas Collagen und Hyaluronsäure (die der Kartoffelstärke ähnelt) in dem Glaskörper-Wasser. Ansehen kannst den Glaskörper in Videos über die Sektion von Schweineaugen im Internet.
Liebe Grüße von gummibaum