die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Sufnus am August 26, 2019, 16:05:48
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Und hier nochmal was aus der Archivkiste...
Nachtraum
Ich bin vom Schlafen aufgewacht,
da schwang der Blutmond wild sein Beil.
Noch gestern war ich ganz - jetzt macht
kein Trost mich wieder heil.
Ich bin vom Schlafen aufgewacht,
Dein Name brennt am Firmament,
wir haben Tage durchgebracht,
dann bracht ich es zu End.
Ich bin vom Schlafen aufgewacht,
ganz bang im Herz: ein Traum, ein Ruf?
Der Morgen wusst' nichts von der Nacht,
bis ich sie selber schuf.
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Hi Suf!
Ein großer Wurf! Das ist mal wieder Oberligalyrik, die ich allergernst lese und genieße! Applaus!!
Ja - die schlimmsten Dunkelheiten schaffen wir in uns selbst ... :'( :-[
Chapeau, eKy
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Lieber Sufnus,
blutiges Ende einer Beziehung, das im Nacht-Raum oder Nach-Traum mehr oder weniger real ist.
Beklommen genossen, lieber Sufnus.
LG g
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Hi Gum!
"Dann bracht ich es zu End" lässt nicht zwangsweise auf eine soziopathische Bluttat schließen, es könnte auch einfach nur bedeuten, dass das LyrIch die Beziehung beendet hat, entweder selbst in Unwissenheit dessen, was es verlieren würde, oder durch ein unverzeihliches Fehlverhalten, für das es sich immer Vorwürfe machen wird.
LG, eKy
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Ja, Erich, das ist, wenn ich jetzt nochmals lese, sogar wahrscheinlicher.
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Hi gum & eKy! :)
Vielen lieben Dank für Euer hohes Lob und die Kommentare - Dein Hinweis, gummibaum, auf die zweierlei Lesarten des Titels hat mich ganz besonders gefreut! :) - ansonsten denke ich, dass hier sowohl eine blutige Deutung als auch eine Interpretation im Hinblick auf ein Beziehungsende (ohne reales Hackebeil!), gut begründbar sind. Selbst würde ich tendenziell auch eher der nicht physisch gewalttätigen Deutungs-Variante zuneigen, aber das kann wirklich jeder für sich herauslesen. Und ansonsten noch vielleicht der Hinweis für eventuell mitlesende Kriminalbeamte: Das Gedicht ist nicht autobiographisch... ;)
Viele Grüße,
Euer S.