die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: Erich Kykal am September 21, 2016, 08:52:45
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Ein Dunkel hält uns sanft geborgen,
der Morgen scheint so ferne noch.
Ich fasse zweifelnd in die Kühle
und fühle dort die Frühe doch.
Ich halte dich mit bangen Armen
Erbarmen heischend an mir fest,
wohl wissend, dass dein Fortverlangen
mit Bangen sich nicht wenden lässt.
Im fernen Ost besäumt ein Glühen
das Mühen schon der Nacht um Zeit.
An blauen Morgenmolen sterben
die Scherben meiner Seligkeit.
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lieber erich,
trübes morgenlied, das end - und binnenreim wechseln lässt. ziemlich speziell!
sehr gern gelesen.
lg g
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Hi Gum!
Das Lied von jemandem eben, der die Liebste/den Liebsten verlassen muss am Morgen ...
Ist ein älteres Dingens, du findest es in "Weltenwege". Hab aber festgestellt, dass ich es hier nie gepostet hatte.
Es freut mich, dass es dir gefällt - ich halte es immer noch für eins meiner Glanzstücke!
LG, eKy
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- ich halte es immer noch für eins meiner Glanzstücke!
Lieber Erich,
da bin ich ganz und gar deiner Meinung, ein Glanzstück.
Einen begeisterten Gruß
von Curd.
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Hi Curd!
Vielen Dank für die Blumen - ich schnuppere immer wieder gern an so einem wundervollen Arrangement! :)
LG, eKy
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Lieber Erich,
die endliche Morgenstimmung schön in Bilder gefaßt - das schnuppert nach Natur.
Die blauen Morgenmolen, an denen Scherben sterben - sehr expressionistisch!
Dein Glanzstück?
Dann muß ich es noch ein paar mal lesen, denn ich wurde nicht trunken.
Lieben Gruß
von
Cypi
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Das Werk lebt vom Gleichklang der Binnenreime. Die Struktur ist wie folgt:
AaBCcB
Falls das so noch keiner gebracht haben sollte: Meine Erfindung damals. :) ;)
LG, eKy
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Hi eKy!
Das war ein guter Einfall von Dir, dieses formspannende und -idable Werk ein wenig Gegenwartsluft schnuppern zu lassen!
Wer mit RMR gemeint ist, kann sich jeder leicht denken, der Deine poetologischen Vorlieben kennt... und Rilke hat, man denke an den ewigen Panther, ja gerne Reimwörter effektvoll in enge Nachbarschaft gerückt ("als ob es tausend Stäbe gäbe"), aber gibt es denn von ihm ein Gedicht, welches für Deine spezielle Erfindung einen Vorbildcharaker hat?
Ansonsten ist das Morgen- oder Tagelied (auch als Alba oder Aubade bezeichnet) ein wirklich altehrwürdiger und doch immerjunger lyrischer Dauerbrenner. Erste Vertreter sind spätestens aus dem Jahre 1000 überliefert (in Wahrheit lassen sich aber durchaus weitaus ältere "Vorläufer" finden) und noch in der zeitgenössischen Lyrik finden wir Vertreter, bei Durs Grünbein etwa.
Mein einziger Minieinwand zu Deinen wirklich schönen Zeilen betrifft die Scherben, die sich aus Reimgründen vom Sterben bedroht sehen (letzte Strophe), was als Bild ein kleines bisschen Grenzwertig (für mein Liking ist), da eine Scherbe als unbelebter Gegenstand mit dem Sterben doch eher nix am Hut hat. Vielleicht wäre ein Austausch von Scherben gegen Erben eine Idee (die Erben treten zwar im Zusammehang mit dem Sterben klassischerweise in durchaus lebendiger Form auf, aber sie sind doch zumindest potentiell auch vom Dahinscheiden bedroht). :)
Sehr sehr gerne gelesen!
S.
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Hi Suf!
Ich weiß nicht, was am Bild, dass einem die Erben sterben, so viel besser sein soll ... :'(
Im Gegenteil: Meine Scherben meinen ja, dass meine Seligkeit mit dem Morgen zerbrochen ist, der mich des geliebten Wesen beraubt. Dass sie dann auch noch als einzelne Scherben sterben, quasi sich, wie die Morgenmolen andeuten, im ersten Licht auflösen, ist für mich bei weitem leichter verkraftbarer, als wenn Erben sterben, denen man gemeinhin emotional viel verbundener ist, und die einen, so der Sinn der Sache, ja eigentlich überleben sollten. Soweit meine Gedanken hier. O0
LG, eKy