die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: galapapa am Juni 02, 2013, 17:47:20
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Nach dem Wetter, wenn die fahlen Nebel steigen,
aus den Schluchten klettern und den Hang hinan,
wenn im Wolkengrau sich blaue Fenster zeigen,
ziehen drückende Gedanken ihre Bahn.
Als sie noch im Schweiße des Augustes klebten,
hatten sie den Abschied heimlich schon gespürt;
als sie frei in heller Sommerlaune schwebten,
hat ein wenig Wehmut sie still angerührt.
Nicht sehr oft kommt einer jener Sommerträume
reif und trocken unter seiner Scheune Dach.
Mühevoll erheb ich mich, bevor ich säume,
folge jenen Zwängen, werde schweigend wach.
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HI, Charly!
Das Lied eines Bauern? Sehr zwingend, das Lyrich des Protagonisten so bedrückt und doch so entschlossen sprechen zu lassen. Der Nachteil dabei ist natürlich, dass man einem einfachen Bauern derart lyrisch und sprachlich elaborierte Gedanken eigentlich nicht zutraut, was etwas an der Illusion nagt. Sagen wir halt, wir hätten hier einen besonders belesenen, sprachbegabten Landwirt! :D
Zwei Kleinigkeiten:
S3Z3 - Komma nach "mich".
S3Z4 - wäre "folge meinen Zwängen" nicht eingängiger, verständlicher und auch sprachlich runder?
Sehr gern gelesen und kommentiert!
LG, eKy
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Hallo Erich,
danke für Deinen Kommentar!
Es ist schon ein älterer Text von mir, den ich lange nicht eingestellt habe, weil er sehr schwer zu deuten ist.
Ich will auch hier jetzt nicht allzuviel dazu sagen, um die Interpretationsbreite nicht zu sehr zu beeinträchtigen.
Das lyrische Ich ist kein Landwirt, da mag Dich der Titel fehlgeleitet haben. Auch die Scheune ist als Metapher zu verstehen.
Im Wesentlichen geht es um Träume im Sinne von Wunschträumen des lyrischen Ich.
Übrigens: Unter EU-Bedingungen einen Hof zu führen und davon zu leben verlangt eine Menge Intelligenz und Sachverstand, um nicht in die Pliete zu gehen und ich kenne Landwirte, die wesentlich gebildeter sind als der Durchschnitt der Zeitgenossen. Der dumme Bauer ist, was meine Erfahrungen angeht, ein Klischee. ;) :)
Herzlichen Gruß!
galapapa
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Lieber galapapa -
das ist einfach wundervoll!
Jeder Vers steht bildhaft vor mir
und die letzte Strophe hat mich so angerührt, daß ich keine Worte dafür habe.
Hab vielen Dank
und laß Dir Grüße schicken
von
Cyparis
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Hi, Charly!
Interessant, ich kenne also eine Menge Klischees hier in meiner Gegend... ;D
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Liebe Cyparis,
hab lieben Dank für Dein schönes Lob!
Es freut mich sehr, dass Dir mein Text so gut gefallen hat.
Liebe Grüße auch von mir an Dich! :)
galapapa
Hallo Erich,
pass nur auf, dass nicht eines Tages ein paar Leute mit Sensen und Heugabeln auf Dich lauern, wenn Du aus dem Haus gehst. ;D :D
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Ich wusste immer schon, dass irgendein Klischee mein Untergang sein wird... ;D
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Lieber galapapa,
ein wunderbares Gedicht, das ich gleich mehrere Male hintereinander lesen musste,
denn bei jedem Mal stiegen andere Bilder auf und ließen mich immer wieder neue Zusammenhänge finden.
Gefällt mir sehr!
LG Daisy
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Liebe Daisy,
ganau so ist der Text auch angelegt. Selbst ich finde immer wieder neue Anstöße, wenn ich es lese.
Das mag seltsam klingen, aber Gedichte, die aus dem Innern herausfließen, haben meistens viel mehr zu sagen, als man auf einmal erkennen kann.
Herzlichen Dank für Deinen lobenden Kommentar!
Liebe Grüße!
galapapa